Die Reisecen e.V.

Rüstungen und Waffen

Schwert des Landgrafen Konrad II. von Thüringen und Hessen
Waffen des 13. Jahrhunderts

Schwert des Landgrafen Konrad II. von Thüringen und Hessen
Deutschordensmeister von 1239-1240


Abb. 1:  Replik des Schwertes

Dieses Schwert wird von den meisten Archäologen Konrad II. zugeschrieben.
Das Original befindet sich, wenn es nicht gerade an diverse
Sonderausstellungen ausgeliehen ist, im Berliner Zeughaus.

Die Zuweisung zu Konrad II. erfolgte aufgrund der beiden Wappen, die den
Knauf beidseitig schmücken. (siehe Abb. 2 und 3). Auf der einen Seite zeigt
das Wappen einen steigenden Adler (Abb. 2) und auf der anderen einen
springenden, vierzageligen Löwen (Abb. 3). Beide Wappen sind aus Messing
gefertigt und auf dem achteckigen, facettierten Bronzeknauf aufgebracht.
Dieser Löwe findet sich auch auf einem Reiterschild aus der Marburger
Elisabethkirche, welches ebenfalls Konrad II. zugewiesen wird. Anhand dieser
beiden identischen Wappen und dem erhaltenen Siegel Konrads II., das ihn
genau mit diesem Schild zeigt, ist es sehr wahrscheinlich, dass Schild und
Schwert zusammen Konrad II. gehörten.

Konrad II. (wahrscheinlich 1207/08-1240) war Landgraf von Hessen und
Thüringen. Er trat 1234 in den Deutschen Orden ein und war maßgeblich an der
Heiligsprechung seiner Schwägerin Elisabeth von Ungarn beteiligt. Er wurde
1239 als Nachfolger von Hermann von Salza zum Deutschordensmeister ernannt.
Er starb im Jahre 1240 in Rom an einer Erkrankung, als er zwischen Papst und
Kaiser vermitteln wollte.

"Sein" Schwert wurde im 19. Jh. im Fluss Pregel bei Königsberg gefunden. Der
Fundort passt jedoch nicht genau zu Konrad II., da er nachweislich nie in
Preußen war. Jedoch gehen neueste Forschungen davon aus, dass Klingen
berühmter Männer nach deren Tode gezielt in bestimmten Flüssen deponiert
werden, da Flüsse als "Übergangszonen zwischen den Welten" angesehen wurden.
Man beachte dabei, dass Preußen gerade erst christianisiert wurde und viele
heidnische Bräuche in die christliche Praxis assimiliert wurden. Ein anderer
Erklärungsansatz könnte der weitere Gebrauch des Schwertes durch Dritte
sein, die das Schwert dann nach Preußen und dort in den Pregel gebracht
haben.

Das Schwert wurde 2003 von Arno Eckhardt (Die Traumschmiede) gefertigt. Wir
konnten das Projekt  dank großer Unterstützung von Hr. Dr. Quaas vom
Berliner Zeughaus auf ein festes Fundament von vielen Fotografien und
genauen Messdaten des Originals stellen. Hierbei kamen auch die lange
Erfahrung und das große Können von Arno Eckhardt zum Tragen, um die Replik
zu einem wunderschönen und nahezu genauen Abbild des Originals zu machen.
Die Replik unterscheidet sich jedoch vom Original durch die fehlenden
Tauschierungen auf der Klinge und die fehlenden floralen Muster auf den
Seitenflächen des Knaufes.

Die technischen Daten des Originals möchte ich hier denen der Replik
gegenüberstellen:

                                             Original              Replik

Gesamtlänge                          116,5 cm             117,6 cm
Klingenlänge                            94,7 cm               95,0 cm
Klingenbreite                             5,3 cm                5,3 cm
Länge der Parierstange             22,2 cm              22,2 cm
Gewicht                                     1350 g                1390 g


Die Differenz im Gewicht rührt daher, dass beim Original keine Griffschalen
oder ähnliches mehr vorhanden sind. Man sieht, welche Genauigkeit beim
Fertigen der Replik angewendet wurde!



Abb. 2 Knauf mit Adlerwappen                         Abb. 3 Knauf mit Löwenwappen

© Jochen Grasser, 2010

Quellen:

800 Jahre Deutscher Orden, Bertelsmann Lexikon Verlag
Europäische Hieb- und Stichwaffen, Müller, Kölling, Platow
Stähle, Steine und Schlangen, Stefan Mäder
Konrad, Landgraf von Thüringen, Hochmeister des deutschen Ordens Teil 1, Erich Kaemmerer 1909

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Waffen des 13. Jahrhunderts

Die Lanze

Die Lanze war die primäre Waffe des 13. Jahrhunderts. Sowohl für Ritter wie auch für Fußsoldaten galt die Lanze als die erste Waffe.

Der Lanzenschaft war vermutlich aus Esche. Dies ist eine Annahme, da die ersten sicher datierbaren Lanzenschäfte aus dem späten 14. Jh. stammen. Eine gesicherte Aussage ist hier nach heutigem Wissensstand nicht möglich.

Der Lanzenschaft war nicht rund geschliffen oder gedrechselt, sondern 6- oder 8-eckig ausgeführt, was leichter herzustellen war. Die Lanzenspitze war aus Stahl, beidseitig scharf geschliffen und etwa 15 cm lang und 5 cm breit. Sie steckte mittels einer Tülle fest auf dem Schaft.

Zwischen den beiden Lanzenvarianten der Reiterlanze und der Fußkämpferlanze unterschied nur die Länge. Beim Ritter war sie etwa 3-3,5 m lang, beim
Fußkämpfer dagegen wohl mannshoch bis 2 m.

Das Schwert

Das Schwert des 13. Jahrhunderts war die Prestigewaffe des Ritters. In ihr sah er sein Standessymbol. Das Schwert ist in unterschiedliche Bereiche einzuteilen.
  1. Die Klinge: Sie ist etwa 81-100 cm lang und 4,8-6,3 cm breit, beidseitig sehr scharf ausgeschliffen. Die Kehlung auf beiden Seiten kann Schriftzeichen oder Symbole aufweisen.
  2. Die Parierstange: Sie ist meist rechteckig bis hochrechteckig im Querschnitt und bis zu 28 cm lang. Sie kann gerade oder leicht gebogen sein.
  3. Die Hülse: Die Hülse ist für eine Hand gemacht und wurde immer auf den Träger angepasst. Sie bestand aus 2 Holzhalbschalen, die mit einem Lederband umwickelt wurden. Im 13. Jh. tauchen die ersten längeren Hülsen auf, die im heutigen Sprachgebrauch als "zu 1 ½ Hand" genannt werden. Diese sind aber im bisherigen Fundgut zu rar, um als üblich gelten zu können.
  4. Der Knauf: Dieser kann nun mehrere Formen aufweisen. Sehr häufig gebräuchlich waren der Paranussknauf und der Scheibenknauf. Aber auch der Pagodenknauf wurde verwendet. Auch hierbei gibt es Sonderformen wie 8-eckige oder halbmondförmige Knäufe.

Die verbesserten Schmiedetechniken des 12. und 13. Jh. machten es nun möglich, Schwerter schneller und einfacher herzustellen. Dies gab nun auch einzelnen Fußkämpfern die Chancen, ein Schwert zu besitzen. Die Stahlqualität der Schneiden verringerte sich dabei nicht. Die Klingen waren aus dem besten Stahl, den man damals herstellen konnte und so in der Lage, Kettenhemd und Helm des Gegners zu durchtrennen, was viele Abbildungen in mittelalterlichen Handschriften recht detailgetreu wiedergeben.

Sonstige Waffen

Neben den beiden genannten Waffen werden in iluminierten Handschriften des Mittelalters noch eine Vielzahl anderer Bewaffnungen, meist bei Fußsoldaten, gezeigt. Hier sind die Axt und die Armbrust zu nennen. Die Armbrust, bzw. speziell ihr Einsatz gegen Christen, wurde jedoch auf dem 2. Laterankonzil 1139 mit dem Kirchenbann belegt, was die Armbrust vorwiegend zur Kreuzzugswaffe machte. Bei der ritterlichen Bewaffnung lässt sich noch der Streitkolben nennen. Diese Waffen stehen aber zahlenmäßig sehr weit hinter der Lanze und dem Schwert.

Rüstungen des 13. Jahrhunderts

Das Kettenhemd

Ein Kettenhemd war die Hauptrüstung eines Ritters. Typisch für ein Kettenhemd des 13. Jhs. sind die angesetzten Fäustlinge und die angesetzte Haube, beide ebenfalls aus Kettengeflecht. Das Kettenhemd reicht bis zur Mitte der Oberschenkel. Es besteht aus einzeln vernieteten Eisenringen und konnte nur sehr aufwendig hergestellt werden, was es sehr teuer und wertvoll machte.



Die Stahlqualität wird hier gut gewesen sein, jedoch waren die Ringe nicht gehärtet, was die Verarbeitung derselben vereinfacht. Damit erklärt sich auch die Häufigkeit der dargestellten durchschnittenen Kettenhemden in mittelalterlichen Abbildungen. Ein Kettenhemd wurde für den jeweiligen Träger hergestellt und auf seine Figur angepasst. In die Handflächen der Fäustlinge nähte man Leder ein um einen guten Griff des Schwertes zu gewährleisten.

Die Kettenbeinlinge

Ebenso wie das Kettenhemd wurden auch die Kettenbeinlinge hergestellt. Diese waren wie die Beinlinge der normalen Kleidung an einem Gürtel angenestelt und bedeckten das gesamte Bein mitsamt Fuß, wobei die Sohlen wie die Handinnenflächen des Kettenhemdes aus Leder bestanden.

Die Kettenhaube

Für Fußsoldaten gab es die Möglichkeit, den Kopf zusätzlich mit einer Kettenhaube zu schützen. Diese hatte die Form einer Gugel, jedoch waren der untere Rand und die Seiten bei der typisch deutschen Variante von gerader Form.

Der Gambeson

Unter dem Begriff des Gambeson versteht man eine Textilrüstung. Dies besteht aus mehreren Lagen Wolle, Leinen oder beidem. Die Lagen wurden mehrfach miteinander vernäht, was ein Verrutschen der Lagen verhindert. Als äußere Lage wurde meist Leinen verwendet, für die Polsterung dicke Wolle. Der Gambeson wurde in mehreren verschiedenen Formen getragen. Man sieht z.B. Gambesons, die wie eine geschlossene Jacke komplett mit Ärmeln getragen werden, auch sieht man Formen, bei denen die Arme als separate Teile anzusehen sind. Ein Gambeson konnte auch am unteren Rand mehrere Zatteln aufweisen, was wohl reinem Dekorationswunsch entsprang. Allen gemeinsam ist, dass man keinerlei Verschlüsse auf Abbildungen erkennen kann, was bedeutet, dass man den Gambeson nur von oben über den Kopf angezogen hat. Der Gambeson war die vornehmliche Rüstung des Fußsoldaten. Abbildungen von Rittern, die unter ihrem Kettenhemd deutlich einen Gambeson tragen, erscheinen erst gegen Ende des 13. Jhs. Jedoch ist in der Kreuzfahrerbibel von 1250 sogar ein Ritter dargestellt, der einen Gambeson über dem Kettenhemd trägt.

Die Diechlinge

In gleicher Machart wie der Gambeson gab es "Beinschützer" für die Oberschenkel. Sie gingen bis knapp unter das Knie und hatten dort teilweise eine runde Scheibe direkt auf dem Knie. Hierzu gibt es nun die ersten Bildbelege, das solche Diechlinge auch unter einem Kettenhemd getragen wurden, jedoch sieht man ausschließlich Fußsoldaten mit solchen Diechlingen. Das untere Bein blieb ungeschützt.

Der Helm

Auch beim Helm gibt es deutliche Unterschiede zwischen einem Ritter und einem Fußsoldaten. Der Ritter trug zur Mitte des 13. Jh. schon einen Helm mit völlig geschlossenem Gesichtsteil, einen sog. Topfhelm. Dieser, aus mehreren Eisenplatten zusammengenietete Helm gab dem Ritter im Lanzengefecht zu Pferde die nötige Sicht nach vorne bei höchster Sicherheit für Gesicht und Kopf. Er entstand aus dem früher üblichen Nasalhelm und bestand meist aus 1,5-2,5 mm starkem Stahlblech und erfuhr durch die Nietung eine teilweise Aufdopplung der Wandungsstärke, was ein Durchschlagen des Helmes sehr schwer machte. Jedoch gibt es auch hierzu einige Abbildungen, die bezeugen, dass Schwerter auch durch ca. 4 mm starkes Stahlblech schnitten.

Der Fußsoldat dagegen trug einen Helm, der das Gesicht völlig frei ließ. Zum Teil trug er noch den Nasalhelm, der um 1250 langsam verschwindet. Dieser Helm bestand aus einer getriebenen Kalotte aus Eisen, die entweder spitz zulief oder schon ganz rund den oberen Kopf bedeckte. Eine Weiterentwicklung dieses Helmes erhielt eine eiserne Krempe wofür der Nasensteg verschwand. Dieser Helm wurde Eisenhut genannt und löste den Nasalhelm für Fußsoldaten ab. Jedoch sieht man auch Ritter mit solch einem Eisenhut.

Quellen:

  • Die Ritter, Theiss-Verlag
  • Illustrierte Geschichte der Kreuzzüge, Bechtermünz-Verlag
  • Das Nibelungenlied und seine Welt, Primus-Verlag
  • Beiträge zur morphologischen Entwicklung des Schwertes im Mittelalter, Karl Wachholtz-Verlag
Bildquellen:
  • Kreuzfahrerbibel
  • Mainzer Evangeliar
  • Edward the Confessor

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