Nachdem sich immer öfter die Frage nach windgeschützter Beleuchtung stellte, ohne allerdings bei den bekannten Anbietern zufriedenstellend fündig zu werden, haben wir uns (Jan und ich) 2006 an den Nachbau eben solcher gewagt. Schließlich kann einem nie oft genug ein Licht aufgehen...
Beleuchtungsarten
Aus Fundlagen wie auch aus hochmittelalterlichen Abbildungen kennen wir die unterschiedlichsten Beleuchtungsmittel. Diese reichen von einfachsten Kien- und Lichtspänen, über einfache bis künstlerisch herausragende Gefäße für Talglichter und Öllampen, bis hin zu Ständern und Lampen für Wachskerzen.
Dazu ein Zitat aus der Ausstellung des Heimatmuseums im Hirschen in Remshalden-Buoch (Stand 2006):
„Die „Lichtkeramik“ spielt im Mittelalter besonders dort eine Rolle, wo man sich nicht mit den Herdfeuer oder Kienspänen als Helligkeitsquellen bescheiden wollte. Zudem hatte sie den Vorteil, standortungebunden und leicht transportabel zu sein.
Während die kleinen, schälchenartigen Lämpchen mit der durch Fingereindruck aus dem Rand herausgearbeiteten Dochtauflage („Schnauze“) weit verbreitet waren, beschränkt sich das Vorkommen der großen Leuchter auf hohlem Fuß auf Wohnstätten des gehobenen Millieus. Die imposantesten Stücke sind ganz zweifellos der Leuchter aus der Burg Marbach a.N., welcher abweichend von allen sonst bekannten Exemplaren vier (!) Flammen Platz bot, und das Stück aus Streichen bei Balingen. Einmalig ist bei ihm der Büstenaufsatz in Gestalt eines Flötenspielers!
Brennmaterial war bei schlichten Lämpchen wie aufwendigen Leuchtern Talg oder Öl.“
Flötenspieler-Leuchter (Heimatmuseum im Hirschen, Remshalden-Buoch); Leuchter für vier Flammen (ALM, Konstanz)
Mit Remshalden-Buoch und Marbach a.N. haben wir bedeutende Fundorten für hochmittelalterliche Keramik direkt vor unserer Haustür. Eine Nachempfindung entsprechender Beleuchtungsgefäße drängt sich nahezu auf, was wir aber tunlichst erfahrenen Töpfern für die Ergänzung unserer Ausstattung überließen. Letztendlich gab es ja noch das Stichwort „windgeschützt“, welches Antrieb gab, uns an einem eigenem Lampennachbau zu versuchen.

Die Vorlage - Kreuzfahrerbibel (Folie 25)
Die Bauvorlage
Als Vorlage für unsere Rekonstruktion orientierten wir uns an einer Abbildung aus der Kreuzfahrerbibel, der wir auch die gegebenen Größenverhältnisse entnahmen. Bei der Materialwahl war es da schon etwas diffiziler. Hier liess die Abbildung doch einige Fragen offen.
Um den Farbgebungen auf unserer Vorlage näher zu kommen, entschieden wir uns für Kiefernholz, möglichst dünnes Pergament und einer Abdeckung aus Blech.
Blieb nur noch das Rätsel des Öffnen und Schließens, um unsere Kerze auch auswechseln zu können
(eine Einweglösung erschien uns doch zu kostspielig ;-). Leider gab das Bild hierzu aber keine weiteren Hinweise und wir entschieden uns für eine möglichst einfache Schiebelösung, die wir mit den zu Verfügung stehenden Materialien auch umsetzen konnten.
Die Vorbereitung der Holzteile
Rohmaterial; Zuschnitt für Boden und oberen Ring; mit Bohrungen
Der Lampenschirm
Zuschnitt der Stäbe; Zuschnitt des Lampenschirms (aus Ziegenhaut); vorbereiteter Lampenschirm
Die Abdeckung
Buckel mit Vorbohrung; fertiger Buckel mit Aufhängeöse
Der Zusammenbau
eingesetzter Lampenschirm; gedrechselter Sockel, fertiges Haupteil und das zusammengebaute Endergebnis
Das Endprodukt
© Markus Krichel, 2008
Quellen:
Bilder aus dem ALM, Konstanz, Stand 2007
Bilder aus dem Heimatmuseum im Hirschen, Remshalden-Buoch, Stand 2006
Kreuzfahrerbibel (Mitte 13. Jh.)

