Schildbau
Nachdem Jan bereits einen neuen Schildnachbau präsentiert hatte, sollte es nach vereinsinterner kritischer Würdigung an weitere Nachbauten gehen.
Hierbei orientierten wir uns wesentlich an Abbildungen aus der Kreuzfahrerbibel (ca. 1244-1254), der wir auch die Größenverhältnisse entnahmen, an Angaben aus Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ (ca. 1200-1210) und dem Ausstellungskatalog „Die Zeit der Staufer“ (1977). Wobei wir diese Größenverhältnisse auf unser aktuelles Gardemaß anpassten.

Bevor wir mit den neuen Schilden beginnen konnten, galt es das Rohmaterial zu beschaffen. Wir hatten uns, wie in den oben genannten Quellen beschrieben, auf Lindenholz geeinigt und entsprechend eingedeckt. Jan besorgte das Lindenholz und stellte wieder einmal seine Werkstatt zur Verfügung. Ansonsten waren noch möglichst dicke und große Rohhäute, Leder für die Riemen und den Armschutz, das passende Füllmaterial dafür und geschmiedete Nägel zu besorgen.
Da wir ein möglichst originalgetreues und daher stark gewölbtes Schild erhalten wollten, planten wir eine Nut- und Federkonstruktion. Dafür musste das Lindenholz zuerst in Einzelteile mit den gewünschten Maßen und der entsprechenden Stärke gesägt werden. Die anvisierten Leisten fielen entsprechend schmal und dünn aus.
Tja – und viele Einzelteile führten natürlich auch zu entsprechend vielen Seitennuten und schmalen Holzeinsätzen als Verbindungsfedern… Da wir zeitgleiche drei Schilde bauen wollten, erfordert das auch den Bau von drei Grundformen für das Verkleben und anschließende Trocknen der bespannten Schilde: Noch einmal ein gutes Stück Vorarbeit bis wir uns endlich an den eigentlichen Zusammenbau machen konnten.
Das Lindenholz war also zugeschnitten und die Formen fertig. Jetzt konnte es mit dem Aufbau losgehen:
Leiste für Leiste wurde miteinander verleimt und so entstanden drei ansehnliche Halbschalen aus Holz, die in ihrer aktuellen Form mehr römischen Fußsoldatenschilden entsprachen, als den abgebildeten Schilden aus der Kreuzfahrerbibel.
Bevor es aber mit dem Zuschneiden unserer Rohlinge weitergehen konnte, hieß es erst einmal abwarten, den Leim trocknen lassen und Tee trinken (Tee?! Oder wie heißt noch mal das Getränk aus Hopfenkräutern?).
Einen Tag später war der Leim trocken und wir hoben die Schilde aus ihren Formen. Anstelle der erwarteten stabilen Holzkonstruktionen hielten wir jedoch sehr empfindliche Halbschalen in den Händen, die noch sehr labil wirkten und mit Sicherheit keinem gezielten Schlag stand gehalten hätten. An dieser Stelle war schon zu ahnen, welchen Beitrag die Rohhaut noch leisten sollte, die für die Verarbeitung bereits in Wasser einweichte.
Unverdrossen brachten wir aber erst einmal die Halbschalen mit der Säge auf die gewünschte Schildform.
Danach ging es an das Abtragen der Formen auf die Rohhäute und deren Zuschnitt. Dabei galt es auszuknobeln, dass möglichst die Nackenpartien der Häute Teil der Außenbespannung würden, ohne dabei für die Innenbespannungen ein Stückwerk anzurichten. Und das bei der Größe der Schilde und der notwendigen Zugaben für die Überschläge
(das Endprodukt sollte eine Höhe von ca. 110 cm und eine Breite von bis zu 90 cm haben)! Kein leichtes Unterfangen, wenn man keinen unverhältnismäßig großen Verschnitt hinnehmen wollte.
In den nächsten Arbeitsschritten wurde zuerst die feuchte Rohhaut in die Schildinnenseite gelegt und mit Nägeln befestigt. Dann folgten Zuschneiden und Anbringen des Leders für den Armschutz, den wir auch gleich mit Rohwolle füllten. Wir hatten uns außerdem entschieden, jetzt auch die Trage- und Halteriemen anzubringen. Diese wurden mit ziemlich großen Schmiedenägeln am Schild befestigt, die später auf der Frontseite nicht mehr sichtbar sein sollten.
Dann nahte der letzte Arbeitsschritt – das Aufbringen der Außenhaut und ihr finaler Zuschnitt: Auch hier wurde die feuchte Rohhaut auf das Schild nur aufgelegt ohne sie irgendwie zu spannen, über den Rand umgeschlagen, auf der Innenseite mit Nägeln befestigt und gleichmäßig abgeschnitten. Endlich – nach mehreren Arbeitstagen waren die Arbeiten fertig! Jetzt mussten die Schilde nur noch trocknen.
Aus der Erfahrung mit Jans erstem Schild wussten wir um die enorme Kraft, die austrocknende Rohhaut entwickelt. Während aller Arbeitsschritte hatten wir die feuchte Rohhaut auch immer nur auf unsere Rohlinge aufgelegt und nie aufgespannt. Trotzdem konnte man schon nach einem, erst recht nach zwei Tagen erkennen, wie stark sich die Schilde durch das Trocknen der Rohhaut wieder aufbogen! Bei einem der Schilde führte dies später sogar bis zum Bruch einer Verleimung. Wahrscheinlich wäre es ratsamer gewesen, die Schilde während der Trocknung noch wesentlich länger in ihren Formen zu fixieren, da selbst über eine Woche später noch Bewegung festzustellen war.
Leider sind der Nachwelt keine Bilder aus der ersten Bauphase erhalten geblieben…Wahrscheinlich war die aufwendige Vorbereitungszeit gepaart mit der großen Vorfreude auf den Zusammenbau Schuld daran, dass wir die geknipste Fotodokumentation erfolgreich verhäuselt haben. Dafür gibt es hier die stattlichen Endergebnisse zu bewundern:
Die Schilde sind gute 115 cm hoch, besitzen einem Umfang von etwa 90 cm und wiegen ca. 5,5 kg.
Und hier noch ein paar Details:

© Markus Krichel, 2008
Quellen:
Kreuzfahrerbibel (ca. 1244-1254)
Wolfram von Eschenbachs „Parzival“ (ca. 1200-1210)
Ausstellungskatalog „Die Zeit der Staufer“ (1977)
Jan Kohlmorgen „Das mittelalterliche Reiterschild“ (Karfunkel 2002)

